Deutschland hat sich für die Dekarbonisierung des Stromsektors ambitionierte Ziele gesetzt. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch soll bis zum Jahr 2030 auf 80 % steigen. Dazu sollen bis zum Jahr 2030 insgesamt 215 Gigawatt (GW) Solaranlagen, 115 GW Windkraftanlagen an Land und 30 GW Windkraftanlange auf See errichtet werden.

Allerdings ändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stetig; so zeichnet sich inzwischen ab, dass die Stromnachfrage im Jahr 2030 niedriger ausfallen wird als ursprünglich angenommen. Das liegt maßgeblich an einer langsamer fortschreitenden Elektrifizierung in den Verbrauchssektoren Verkehr und Gebäude sowie einem konjunkturell bedingten Einbruch der Industrieaktivität in den vergangenen Jahren. Immer wieder wird deshalb öffentlichkeitswirksam über eine Anpassung der Ziele diskutiert, zuletzt Ende letzen Jahres. Zwar hat die Bundesregierung im Entwurf zur EEG-Novelle ihr Festhalten an den Zielen bekräftigt, allerdings garantiert das Setzen eines Zieles nicht das Erreichen dieses Zieles. So wird z. B. das Ziel für den Ausbau der Windkraftanlagen auf See im Jahr 2030 aufgrund von [XXX] verfehlt. Außerdem gibt es Befürchtungen, dass das geplante Netzanschlusspaket den Solarausbau bremsen könnte [Quelle]. Vor diesem Hintergrund haben wir die Auswirkungen einer Zielverfehlung beim EE-Ausbau auf Basis des Modells PyPSA-DE aus dem Ariadne Szenarienbericht untersucht. In sieben Szenarien stellen wir das Erreichen der EE-Ausbau Ziele ihrer Verfehlung um bis zu 30% gegenüber.

plot_0_Capacity-Electricity-EE

in gw
Der Chart wird geladen...

In der Abbildung 1 zeigt die linke Säule die deutsche Strombilanz des Jahres 2024 auf Basis der Daten der AG Energiebilanzen (AGEB, 2025), mit einer Bruttostromnachfrage von insgesamt 522 TWh. Daneben ist die Strombilanz des Modells für das Jahr 2030 in den Szenarien mit unterschiedlichem EE-Ausbau dargestellt.

Plot 1: Strombilanz 2024 sowie 2030 für jedes EE-Niveau

in Twh/a
Der Chart wird geladen...

Strombilanz 2030 im Szenario „0“

in Mt CO2e/a
Der Chart wird geladen...
Szenario

Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch

in percent
Der Chart wird geladen...

Die höhere Stromerzeugung aus Ergas, geht einher mit einem größeren Ausbau der Gaskraftwerke. Andererseits werden bei einem geringeren EE-Ausbau auch weniger Batterien benötigt um die variabeln erneuerbaren Energien zu speichern. Umgekehrt kann man folgern, dass Erneuerbare in Kombination mit Batterien das Potential haben, einen Teil der benötigten Gaskraftwerke zu ersetzen.

Installierte Leistung Gaskraftwerke

in GW
Der Chart wird geladen...

Installierte Leistung Großbatterien

in GW
Der Chart wird geladen...

Ein sinkender EE-Anteil führt auch zu höheren Strompreisen, da die Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern teurer ist als die Erzeugung aus Erneuerbaren Energien.

Durchschnittlicher Strompreis

in EUR2020/MWh
Der Chart wird geladen...

plot_4b_Strompreise_quantile

in EUR/MWh
Der Chart wird geladen...

Eine Reduktion der EE-Ziele führt zu höheren CO2-Emissionen und gefährdet somit das Erreichen des Klimaziels für das Jahr 2030. Dabei verfehlen aufgrund der langsameren Elektrifizierung die Sektoren Verkehr und Gebäude ihre im EEG festgelegten Ziele, während die Sektoren Industrie und Energie­wirtschaft aufgrund niedrigerer Nachfrage geringere Emissionen verursachen. Der fehlende Strom aus EE-Anlagen wird unter anderemdurch zusätzliche Stromproduktion aus Erdgas ausgeglichen, was unmittelbar zu höheren Emissionen führt. Die Energie­wirtschaft erreicht ihr Sektorziel zwar in allen Szenarien, allerdings kann sie nicht länger die Emissionen aus dem Verkehr und den Gebäuden kompensieren, was zu einer Verfehlung des Klimaziels für 2030 führt.

Emissionen 2030 nach Sektoren im Szenario „0“

in Mt CO2e/a
Der Chart wird geladen...
Szenario

Gesamtemissionen CO2

in Mt CO2e/a
Der Chart wird geladen...

In der folgenden Grafik ist eine Strombilanz für eine kalte Periode im Februar dargestellt, in der die Stromnachfrage besonders hoch ist. Im ersten Drittel gibt es wenig Strom aus Windkraftanlagen, was zu einem Anstieg der Strompreise führt. in der Mitte fehlt dann auch der Strom aus Solaranlagen, was zu einem weiteren Anstieg der Strompreise führt. Es handelt sich um eine sogenannte Dunkelflaute, in der kaum Wind- oder Solarstrom zur Verfügung steht. Das führt zum Einsatz von teuren Gaskraftwerken, und teilweise auch Kohlekraftwerken, um die Stromnachfrage zu decken, was zu einem weiteren Anstieg der Strompreise führt. Im letzten Drittel gibt es dann sehr viel Strom aus Windkraftanlagen, was zu einem starken Rückgang der Strompreise führt.

Je nach Verfügbarkeit und Preis werden Speicher verwendet oder Strom importiert und exportiert.

Strombilanz (stündlich)

Der Chart wird geladen...
Szenario

Die folgende Strombilanz zeigt die wöchentliche Durschnittserzeugung und Durchschittsstromnachfrage im Jahresverlauf. Außerdem die wöchentlichen Durschnittspreise für Strom.

Strombilanz (wöchentlich)

Der Chart wird geladen...
Szenario

Wenn Sie an einem tieferen Einblick in die Daten und die zugrundeliegenden Annahmen interessiert sind, können Sie den ARIADNE REPORT zu den EE-Zielen 2030 lesen, in dem wir die Ergebnisse detailliert beschreiben und diskutieren.

plot_4b_Strompreise_quantile

in EUR/MWh
Der Chart wird geladen...

Dieses Modul zitieren

Zum Start des Lernmoduls
Michael Lindner B (2026) - „Ausbau der Erneuerbaren bis 2030“ Veröffentlicht auf ariadne-lernmodule.prnw.dev. Abgerufen von: 'https://ariadne-lernmodule.prnw.dev/ee-ziele-2030' [Online-Ressource].

BibTeX citation

@article{ee-ziele-2030,   author = {Michael Lindner B}   title = {Ausbau der Erneuerbaren bis 2030}   journal = {Ariadne}   year = {2026}   note = {https://ariadne-lernmodule.prnw.dev/ee-ziele-2030} }

Copyright Titelbild

Das Titelbild stammt von Daniel Morris auf Unsplash.